Wandnische als Einbauschrank nutzen: Stauraum mit Trockenbau sauber planen (10 bis 30 cm Tiefe)
Warum sich eine flache Wandnische als Stauraum lohnt (und wann nicht)
Viele Wohnungen haben „tote“ Flächen: Vorsprünge, Installationsschächte, Rücksprünge neben Kaminzügen oder tragenden Wänden. Schon 10 bis 30 cm Tiefe reichen, um daraus einen extrem praktischen Einbauschrank zu machen: für Putzzeug im Flur, Handtücher im Bad, Akten im Home Office oder Spielzeug im Kinderzimmer.
Der Vorteil gegenüber freistehenden Möbeln: Sie verlieren weniger Laufweg, die Front kann bündig wirken und Staubkanten werden weniger. Der Nachteil: Sie müssen sauber messen, die Wand prüfen (Feuchtigkeit, Leitungen) und die Konstruktion stabil ausführen.
Ungeeignet ist die Nische, wenn sie dauerhaft feucht ist (z.B. Außenwand mit Schimmelrisiko), wenn viele Leitungen darin laufen und nicht zugänglich bleiben dürfen, oder wenn die Nische Teil eines notwendigen Revisionsbereichs (z.B. Wasserzähler) ist.
- Ja/Nein Check: Gibt es mindestens 10 cm nutzbare Tiefe nach Abzug von Putz/Unebenheiten?
- Ja/Nein Check: Ist die Wand trocken (keine Stockflecken, keine Salzausblühungen, keine muffige Ecke)?
- Ja/Nein Check: Sind Strom- oder Wasserleitungen lokalisiert (Leitungssucher oder Plan)?
- Ja/Nein Check: Können Revisionsklappen für Zähler/Absperrventile vorgesehen werden?
- Ja/Nein Check: Bleiben 80 bis 90 cm Durchgang im Flur oder 60 cm vor dem Schrank frei?
- Ja/Nein Check: Können Türen/Fronten geöffnet werden, ohne an Schalter, Heizkörper oder Möbel zu stoßen?

Aufmaß wie ein Profi: Tiefe, Lot, Leitungen, Türanschlag
Das wichtigste ist ein ehrliches Aufmaß. Nischen sind selten rechtwinklig. Wenn Sie nach „Katalogmaß“ bauen, klemmen später Türen oder es entstehen unschöne Spalte.
Schritt-für-Schritt Aufmaß (15 Minuten, spart Tage Ärger)
- Breite: oben, Mitte, unten messen. Nehmen Sie den kleinsten Wert minus 5 bis 10 mm Montage-Luft.
- Höhe: links und rechts messen. Bei Altbau-Decken wieder den kleinsten Wert ansetzen.
- Tiefe: an 3 Punkten messen. Bei 10 bis 14 cm Tiefe sind eher Regalböden für Schuhe, Deko, flache Kisten sinnvoll. Ab 18 bis 30 cm wird es „echter“ Schrank.
- Lot und Ebenheit: lange Wasserwaage oder Richtlatte anlegen. Notieren, wie stark die Wand „bauchig“ ist.
- Leitungen: Leitungssucher nutzen, zusätzlich Schalter/Steckdosen-Senken beachten (vertikale/horizontale Installationszonen). Im Zweifel: Fachbetrieb.
- Türanschlag: überlegen, auf welcher Seite die Tür sinnvoll ist. Im Flur meist so, dass Sie vom Eingang aus bequem greifen können.
Praxis-Tipp: Planen Sie eine Schattenfuge oder eine Abdeckleiste an den Kanten ein, wenn die Nische sehr ungerade ist. Das wirkt am Ende sauberer als „auf Kante“ gefrickelt.
Konstruktion wählen: Trockenbau, Korpus oder Kombi
Es gibt drei robuste Wege. Entscheidend sind Tiefe, Belastung und ob Sie in einer Mietwohnung möglichst rückbaubar bleiben wollen.
Option A: Trockenbau-Rahmen + Einlegeböden (am flexibelsten)
- Metallständer (UW/CW) oder Holzrahmen in die Nische
- Beplankung mit Gipskarton (trocken) oder imprägniertem GKBI (Bad)
- Innen Regalschienen oder seitliche Auflager für Böden
Gut für: Flur, Wohnzimmer, Home Office. Sehr gut, wenn die Nische schief ist und Sie einen geraden Schrank „vorziehen“ möchten.
Option B: Fertig-Korpus (z.B. schmale Schränke) in Nische stellen
- Geringster Aufwand
- Spalten mit Blenden/Leisten schließen
- Fixierung gegen Kippen nicht vergessen
Gut für: Mietwohnung, wenn Sie wenig bauen möchten. Schwachpunkt: Sie verlieren oft Breite durch Seitenwände und Blenden.
Option C: Kombi: Trockenbau-Laibung + innen maßige Regalböden
Sie bauen nur eine saubere Öffnung und setzen innen eine einfache Regalstruktur. Das ist oft der beste Kompromiss aus Optik und Aufwand.
Material und Details, die den Unterschied machen (stabil, leise, pflegeleicht)
Platten und Oberflächen
- Wohnräume: normaler Gipskarton, anschließend spachteln, schleifen, streichen.
- Bad: imprägnierte Platten (GKBI) und feuchtefeste Farbe. In Spritzzonen lieber keine Trockenbau-Regale ohne fachgerechte Abdichtung.
- Regalböden: 19 mm Möbelplatte oder Multiplex. Bei Spannweiten über 60 cm: 25 mm oder mit Unterzug arbeiten, sonst biegt es durch.
Stabilität: typische Lasten realistisch ansetzen
- Flurschrank für Putzmittel: Punktlasten (Flaschen, Eimer) - Böden eher kürzer und dicker.
- Akten im Home Office: hohe Flächenlast - lieber mehr senkrechte Trennwände oder Metallregalschienen.
- Handtücher: geringes Gewicht - Fokus auf Belüftung und leichte Reinigung.
Belüftung gegen Muff (wichtig bei Wäsche, Schuhen, Handtüchern)
- Front mit oben/unten 5 bis 8 mm Luftspalt planen oder Lüftungsgitter einsetzen.
- Keine dichten Rückwände an kalten Außenwänden, wenn die Nische dazu gehört.
- Schuhe: waschbare Einlagen, offene Körbe oder Lochblechböden sind praxisnäher als geschlossene Böden.
Fronten und Türen: so wird es wohnlich statt „Abstellloch“
Die Front entscheidet, ob der Einbau wie geplant wirkt. Bei 10 bis 30 cm Tiefe sind besonders zwei Lösungen sinnvoll.
1) Drehtüren (klassisch, günstig, braucht Platz)
- Gut, wenn vor dem Schrank genug Bewegungsfläche ist.
- Topfscharniere brauchen Tiefe im Korpus - bei sehr flachen Nischen ist das knapp.
- Softclose reduziert Geräusche im Flur.
2) Möbeltüren als Push-to-open oder Tip-on (für flache Nischen)
- Keine Griffe, weniger Hängenbleiben im Durchgang.
- Achten Sie auf stabile Befestigung der Beschläge im Trockenbau (Hinterfütterung!).
3) Schiebetüren (nur bei ausreichend Breite sinnvoll)
Bei sehr schmalen Nischen wirken Schiebetüren oft gequetscht. Gut funktionieren sie ab ca. 80 bis 100 cm Öffnungsbreite.
Praxis-Tipp: Wenn die Wand schief ist, planen Sie umlaufend 10 bis 20 mm Blenden. Das verzeiht Toleranzen und lässt die Front „wie eingebaut“ wirken.
Beleuchtung im Nischenschrank: wenig Aufwand, großer Effekt
Gerade in Flur und Abstellbereich hilft Licht, damit Sie nicht „blind“ kramen. Das lässt sich ohne großen Umbau lösen.
Bewährte Lösungen
- Batterie-LED mit Bewegungsmelder: schnell, keine Elektrik. Gut für selten genutzte Nischen.
- LED-Profil mit 24 V Netzteil: sauber und dauerhaft. Ideal, wenn eine Steckdose in der Nähe ist.
- Türkontaktschalter: Licht an, sobald die Tür öffnet. Sehr alltagstauglich, wenn Kabel möglich sind.
Montage-Hinweis: Kleben hält bei Staub und rauem Untergrund oft schlecht. Profile besser mit kleinen Schrauben befestigen oder auf sauber grundierte Fläche kleben.

Montage: so vermeiden Sie die 7 häufigsten Fehler
Fehler 1: In die Nische „reinbauen“, ohne gerade Referenzfläche
Lösung: Erst einen geraden Rahmen setzen (Trockenbau-Laibung oder Holzrahmen). Dann alles daran ausrichten.
Fehler 2: Dübel in bröseligem Mauerwerk oder Hohlraum ohne System
Lösung: Passende Dübel wählen (Hohlraumdübel, Injektionsdübel, Langschaftdübel). Bei Trockenbau: Lasten in die Unterkonstruktion einleiten.
Fehler 3: Regalböden zu dünn
Lösung: Bei Akten und Werkzeugen dickere Böden oder kürzere Spannweiten. Faustregel: über 60 cm lieber verstärken.
Fehler 4: Keine Revisionsmöglichkeit für Technik
Lösung: Revisionsklappe oder abnehmbare Rückwand/Frontteil vorsehen. Im Zweifel: Zugriff muss jederzeit möglich sein.
Fehler 5: Keine Fugen- und Kantenplanung
Lösung: Acrylfugen (streichbar) nur dort, wo Bewegung gering ist. Stoßkanten mit Eckschutzschienen sauber ausbilden.
Fehler 6: Schimmelrisiko an Außenwand ignoriert
Lösung: Abstand lassen, belüften, keine dicht gepackten Textilien direkt an kalte Wand. Wenn es schon muffig riecht: erst Ursache klären.
Fehler 7: Tür kollidiert mit Schaltern, Heizkörpern oder Laufweg
Lösung: Türanschlag testen (Pappschablone). Bei Engstellen: Klappe, Push-Front oder offene Regale erwägen.
Kosten und Zeit: realistische Orientierung (Deutschland)
- Einfacher Nischen-Ausbau mit Trockenbau und Regalböden: ca. 120 bis 350 EUR Material, 1 bis 2 Tage Arbeit (inkl. Spachteln/Schleifen eher 2 bis 3 Tage mit Trocknungszeiten).
- Mit Türen/Fronten und Beschlägen: zusätzlich ca. 150 bis 500 EUR, je nach Qualität und Maß.
- Mit Licht: Batterie-Lösung 15 bis 40 EUR, LED-Profil 60 bis 180 EUR.
Wenn Sie einen Fachbetrieb beauftragen, hängt es stark von Region und Komplexität ab. Für einen sauberen Einbau mit Trockenbau, Spachtel, Maler und Türen ist ein vierstelliger Betrag realistisch.
Podsumowanie
- Nische erst prüfen: Tiefe, Trockenheit, Leitungen, Revisionsbedarf.
- Immer an mehreren Punkten messen und auf kleinste Maße planen.
- Für „gerade Optik“ zuerst einen sauberen Rahmen (Laibung) schaffen.
- Regalböden nach Last wählen: Akten brauchen mehr Stärke oder Unterteilung.
- Fronten mit Blenden planen, um schiefe Wände zu kaschieren.
- Bei Textilien/Schuhen: Belüftung einplanen, sonst mufft es.
- Licht erhöht Alltagstauglichkeit stark, auch ohne feste Verkabelung.
FAQ
Wie tief muss eine Wandnische sein, damit ein „Schrankgefühl“ entsteht?
Ab etwa 18 bis 25 cm Tiefe werden Böden für Kisten, Handtücher, Ordner (schmal) sinnvoll. Bei 10 bis 14 cm ist es eher ein Regal für Schuhe, Deko oder flache Boxen.
Kann ich in einer Mietwohnung eine Nische mit Trockenbau ausbauen?
Oft ja, wenn es rückbaubar bleibt und keine Leitungen oder Abdichtungen beeinträchtigt werden. Bohren in Wände ist üblich, aber klären Sie bei größeren Eingriffen (z.B. Elektro, Abdichtung im Bad) vorab die Zustimmung.
Was ist besser: Regalschienen oder feste Auflagerleisten?
Regalschienen sind flexibler, brauchen aber eine stabile Befestigung. Feste Leisten sind schneller und sehr stabil, dafür später kaum verstellbar. Für Abstell und Putzschrank: Leisten. Für Akten/Allzweck: Schienen.
Wie verhindere ich Schimmel in einem Nischenschrank an der Außenwand?
Kein dichtes Vollpacken, Luftspalt oben/unten, keine feuchten Textilien direkt an die kalte Wand, und die Ursache für Kälte/Feuchte prüfen (Wärmebrücke, falsches Lüften). Wenn bereits Flecken da sind: erst sanieren, dann ausbauen.
