Wandhaken und Garderobenleisten richtig montieren: Tragfähig, gerade, ohne ausgerissene Dübel
Warum Garderoben oft wackeln (und wie Sie das vermeiden)
Im Flur wird nicht „nur“ eine Jacke aufgehängt. Dort wirken Hebelkräfte: Jemand reißt die Tür auf, zieht am Mantel, eine Tasche hängt am Haken, Kinder ziehen daran. Viele Montagen scheitern nicht an der Leiste, sondern an falschen Dübeln, ungeeigneter Bohrtechnik oder zu wenig Befestigungspunkten.
Wenn Sie die Wandart sauber bestimmen und Dübel sowie Schrauben darauf abstimmen, hält eine Garderobe jahrelang, ohne dass Dübel ausnudeln oder Putz ausbricht. Entscheidend sind: tragfähiger Untergrund, passende Bohrung, richtige Schraubenlänge und eine Montage, die Quer- und Zugkräfte abfängt.
Im Folgenden bekommen Sie eine praxisnahe Schrittfolge für typische deutsche Wohnungswände (Altbau-Putz, Ziegel, Kalksandstein, Beton, Trockenbau) inklusive Lastannahmen, Werkzeug und Mietwohnungstricks.
- Check 1: Ist es Trockenbau (hohl) oder massives Mauerwerk?
- Check 2: Wie hoch ist die realistische Last (Jacken + Taschen + Ruck)?
- Check 3: Haben Sie mindestens 2 Befestigungspunkte pro Bauteil (besser 3-4 bei Leisten)?
- Check 4: Können Sie in Fugen/Poren ausweichen, wenn der Stein bröselt?
- Check 5: Gibt es Leitungen in der Bohrzone (Schalter, Steckdosen, senkrechte/horizontale Installationszonen)?
- Check 6: Wollen Sie rückstandarm montieren (Mietwohnung) oder maximal belastbar?

Wandtyp bestimmen in 3 Minuten (ohne Spezialgerät)
1) Klopf- und Bohrmehl-Test
- Hohl und „dumpf“: meist Gipskarton/Trockenbau. Beim Probebohren fällt feines, helles Mehl an, und plötzlich „fällt“ der Bohrer ins Leere.
- Sehr hart, graues Bohrmehl: Beton oder harter Kalksandstein. Bohrer „kreischt“, Fortschritt langsam.
- Bröselt, rötliches Bohrmehl: Ziegel (Lochziegel oder Vollziegel). Bei Lochziegeln kann die Bohrung „ausfransen“.
- Weich, sandig, Putz platzt: Altbau-Putz auf Mauerwerk. Tragfähig ist oft erst die Schicht dahinter.
2) Magnet-Trick für Ständer (Trockenbau)
Ein kleiner Magnet findet Schraubenköpfe der Gipskartonplatten. Wenn Sie mehrere Punkte in einer senkrechten Linie finden, sitzt dahinter meist ein Metallständer. Dort können Sie deutlich belastbarer verschrauben (mit Blechschrauben oder speziellen Dübeln).
Lasten realistisch einschätzen: So wählen Sie Anzahl und Art der Befestigung
Ein einzelner Wintermantel wiegt vielleicht 1,5-2,5 kg. Eine Tasche kann 3-8 kg haben. Kritisch sind aber Rucklasten beim Abziehen: Kurzzeitig wirken deutlich höhere Kräfte. Planen Sie deshalb nicht „pro Haken“, sondern pro Wandfeld und Befestigungspunkt.
Faustwerte für die Praxis
- Einzelhaken (nur Jacken): 2 Befestigungen, in Mauerwerk meist ausreichend.
- Hakenleiste 40-80 cm: 3-4 Befestigungen, besonders wenn Taschen dranhängen.
- Garderobenpaneel mit Ablage/Spiegel: 4-6 Befestigungen oder gezielt in Ständer/tragfähige Bereiche.
- Schwere Nutzung (Schulranzen, Laptoptaschen): lieber mehr Punkte und größere Dübel, statt „stärkere“ Schrauben in zu kleinen Dübeln.
Die richtigen Dübel und Schrauben: klare Zuordnung nach Untergrund
Massives Mauerwerk (Beton, Kalksandstein, Vollziegel)
- Dübel: Qualitäts-Nylondübel (6-8 mm) für Standardlasten, 8-10 mm bei sehr schweren Paneelen.
- Schraube: Durchmesser passend zum Dübel (z.B. 4,5-6 mm bei 8-mm-Dübel). Länge so, dass die Schraube den Dübel fast komplett nutzt.
- Bohrer: Steinbohrer, bei Beton ideal mit Schlagbohrmaschine oder Bohrhammer.
Lochziegel (sehr häufig in Innenwänden)
- Problem: Ein normaler Spreizdübel kann im Hohlraum „ins Leere“ spreizen und hält schlechter.
- Besser: Lochziegeldübel (speziell geformt) oder Injektionsmörtel mit Siebhülse für sehr hohe Lasten.
- Bohrtechnik: Schlagfunktion zunächst auslassen, damit die Stege nicht ausbrechen. Erst wenn nötig, vorsichtig zuschalten.
Trockenbau (Gipskarton)
- Für leichte Lasten: Hohlraumdübel/Metallspreizdübel oder Kippdübel (je nach Hohlraumtiefe).
- Bestlösung: In Ständer schrauben (mit Vorbohren) oder eine Montageplatte/Schiene verwenden, die Last verteilt.
- Warnung: „Starke“ Dübel helfen wenig, wenn nur die Gipskartonplatte arbeitet. Lieber Last verteilen und mehrere Punkte setzen.
Schritt-für-Schritt: Gerade und tragfähig montieren
1) Position festlegen (Praxismaße für den Flur)
- Hakenhöhe Erwachsene: ca. 165-175 cm Oberkante Haken (je nach Körpergröße und Mantellänge).
- Kinderhaken: ca. 110-130 cm, ideal als zweite Reihe.
- Abstand zur Ecke/Türzarge: mindestens 10-15 cm, damit Jacken nicht anstoßen.
- Über Schuhbank: so hoch, dass man sich nicht den Kopf stößt und Jacken nicht auf der Sitzfläche liegen.
2) Leitungen vermeiden (Installationszonen beachten)
Bohrkritisch sind Bereiche über/unter Schaltern und Steckdosen (oft senkrechte Leitungsführung) sowie horizontale Zonen in typischer Schalterhöhe. Wenn Sie nahe daran müssen: lieber versetzen oder Leitungssucher nutzen. Im Zweifel: nicht bohren.
3) Anzeichnen ohne Schiefstand
- Leiste anhalten, mit Bleistift die Außenkanten markieren.
- Bohrlöcher mit spitzem Bleistift durch die Leiste anzeichnen.
- Mit Wasserwaage prüfen, dann erst körnen (Nagel/Anreißnadel) damit der Bohrer nicht wegläuft.
4) Bohren: sauberer Rand, richtige Tiefe
- Bohrdurchmesser: exakt wie Dübel (z.B. 8-mm-Dübel = 8-mm-Bohrer).
- Tiefe: Dübellänge plus ca. 5-10 mm Reserve für Bohrmehl.
- Trick gegen Ausbrüche: Malerkrepp über die Bohrstelle, dann bohren.
- Lochziegel: ohne Schlag starten, mit wenig Druck. Wenn der Bohrer „frisst“, sofort Druck reduzieren.
5) Loch reinigen (wichtig für Halt)
Bohrmehl reduziert die Haltekraft. Mindestens auspusten und aussaugen. Bei kritischen Wänden: mehrmals abwechselnd saugen und ausbürsten.
6) Dübel setzen, Schrauben wählen
- Dübel bündig einschlagen, nicht versenken (außer System verlangt es).
- Schraube muss durch Leiste plus ggf. Distanzhülse gehen und im Dübel kräftig greifen.
- Wenn die Leiste Spiel hat: Unterlegscheiben nutzen, damit der Schraubenkopf sauber aufliegt.
7) Endmontage: nicht „tot“ anknallen
Zu fest angezogene Schrauben können Dübel überdrehen, Gipskarton quetschen oder die Leiste verziehen. Festziehen, bis die Leiste satt anliegt und nichts wackelt, dann eine kleine Vierteldrehung.
Typische Probleme und schnelle Lösungen aus der Praxis
Dübel dreht durch
- Schraube raus, Loch prüfen: zu groß gebohrt oder bröseliger Untergrund.
- Fix: größerer Dübel oder Reparaturdübel. In Lochziegeln ggf. Siebhülse mit Injektionsmörtel.
- Notlösung: Holzstäbchen (z.B. Schaschlikspieße) + Holzleim ins Loch, dann wieder verschrauben. Nur für leichte Lasten.
Putz platzt ab
- Oft sitzt der Dübel nur im Putz, nicht im Stein.
- Fix: längeren Dübel/Schraube wählen, sodass im tragenden Mauerwerk verankert wird.
- Abplatzungen mit Spachtelmasse schließen, nach Trocknung ggf. überstreichen.
Leiste sitzt nicht plan an (Wand ist krumm)
- Fix: Distanzhülsen/Unterlegscheiben an den Schraubpunkten, bis die Leiste spannungsfrei anliegt.
- Bei Paneelen: umlaufend kleine Fuge akzeptieren, statt die Platte zu verbiegen.
Trockenbau: Haken reißt aus
- Einzelner Punkt zu hoch belastet.
- Fix: Montage auf eine breitere Trägerplatte (z.B. lackierte Multiplexplatte) und diese in mehreren Punkten/ggf. Ständern befestigen.
- Alternativ: Garderobenständer oder Deckenlösung (wenn zulässig) statt Wandhaken.
Mietwohnung: stabil montieren und trotzdem sauber ausziehen
In vielen Mietverträgen sind Bohrungen grundsätzlich erlaubt, solange Sie fachgerecht arbeiten und beim Auszug sauber verschließen. Entscheidend ist: wenig Löcher, sauber gesetzt, später gut verspachtelt. Klebelösungen sind im Flur oft enttäuschend, weil Taschen und Rucklasten Kleber überfordern.
Saubere Bohrpunkte planen
- Lieber eine solide Leiste mit 3-4 Punkten als viele einzelne Haken mit je 2 Löchern.
- Bohrpunkte so setzen, dass sie später hinter Spiegel, Bild oder neuer Leiste wieder nutzbar wären.
- Weiße Wände: Spachtelmasse + kleiner Farbroller bereithalten.
Wenn Bohren wirklich nicht geht
- Klemmgarderobe: zwischen Boden und Decke (prüfen: Deckenmaterial, ausreichend Spannweg).
- Garderobenständer: kippsicher wählen, schwere Basis, Haken nicht nur oben.
- Über-Tür-Haken: nur wenn die Tür noch sauber schließt und die Dichtung nicht leidet.

Werkzeug und Material: damit klappt es ohne Pfusch
Grundausstattung
- Wasserwaage oder Kreuzlinienlaser (Laser spart Zeit bei langen Leisten)
- Akkuschrauber mit Drehmomentkupplung
- Steinbohrer-Set (6, 8, 10 mm) und ggf. Trockenbau-Bohrer
- Staubsauger, Malerkrepp, Bleistift
- Unterlegscheiben und ggf. Distanzhülsen
Kleiner Qualitätscheck beim Kauf
- Schrauben: saubere Bits, keine weichen Köpfe (sonst „rundet“ es schnell aus).
- Dübel: passender Typ zum Untergrund, nicht „Ein Dübel für alles“ bei schweren Lasten.
- Leisten: genügend Langlöcher oder Spiel für Justage, stabile Rückseite (keine dünne Presspappe bei hoher Last).
Podsumowanie
- Wandtyp kurz testen (Hohlraum vs. massiv), dann Dübel auswählen.
- Last realistisch planen: Taschen und Rucklasten einrechnen.
- Mehr Befestigungspunkte schlagen „stärkere“ Schrauben im falschen Dübel.
- In Lochziegeln zuerst ohne Schlag bohren und Loch sauber reinigen.
- Trockenbau: Last verteilen oder in Ständer verschrauben.
- Schrauben nur so fest anziehen, dass nichts wackelt, ohne den Untergrund zu quetschen.
FAQ
Welche Höhe ist für eine Garderobenleiste im Flur sinnvoll?
Für Erwachsene meist 165-175 cm (Oberkante Haken). Bei langen Mänteln eher höher, bei Kindern eine zweite Reihe bei 110-130 cm.
Kann ich in Lochziegeln normale Dübel verwenden?
Für leichte Lasten oft ja, für Taschen und Paneele ist es riskant. Besser sind Lochziegeldübel oder bei sehr hoher Last Injektionsmörtel mit Siebhülse.
Wie erkenne ich Trockenbau sicher?
Klopfen klingt hohl, beim Probebohren kommt feines helles Bohrmehl, und der Bohrer „fällt“ nach der Platte in einen Hohlraum. Ein Magnet findet oft Ständer-Schrauben.
Was tun, wenn das Bohrloch zu groß geworden ist?
Im Mauerwerk: auf einen größeren Dübel wechseln. In bröseligen Untergründen: Reparaturdübel oder chemische Befestigung (mit passenden Systemen). Bei Trockenbau: auf einen geeigneten Hohlraumdübel umsteigen und die Last verteilen.
