Schrankfronten und Küchenfronten lackieren: Saubere Kanten, robuste Oberfläche, ohne Profi-Kabine
Warum Fronten lackieren statt neu kaufen?
Neue Küchenfronten oder Schranktüren sind in Deutschland schnell teuer: Für eine kleine Küche liegen Fronten je nach Material oft bei 600 bis 2.000 EUR, plus Montage. Lackieren kostet meist 80 bis 250 EUR Material und 1 bis 2 Tage Arbeit (plus Trockenzeit) und bringt optisch fast den gleichen Effekt, wenn Sie sauber vorbereiten.
Typische Fälle aus der Praxis: vergilbte weiße Fronten, abgescheuerte Kanten an MDF, alte Buche-Optik, oder eine Küche, die farblich nicht mehr zum Boden passt. Lack ist dann sinnvoll, wenn die Fronten stabil sind (keine aufgequollenen Platten, keine losen Folien) und die Scharniere noch gut halten.
Wichtig: Der Erfolg hängt zu 70 Prozent an Vorbereitung und Staubmanagement, nicht am „teuersten Lack“.
| Variante | Vorteile | Typische Kosten (Material) |
| Rollen + Lack (PU/2K möglich) | Günstig, leise, wenig Overspray | 60 bis 180 EUR |
| Sprühen (HVLP) | Sehr glatte Oberfläche, schnell | 120 bis 300 EUR |
| Nur Folieren | Schnell, wenig Dreck | 80 bis 250 EUR |

Vorab-Check: Material erkennen und entscheiden, ob Lackieren sich lohnt
Bevor Sie irgendetwas anschleifen: Klären Sie, was Sie vor sich haben. Danach richtet sich Grundierung, Schleifbild und Risiko.
Die 4 häufigsten Fronttypen (und was das bedeutet)
- Lackierte MDF-Front: Sehr gut lackierbar. Kanten sind empfindlich, aber reparierbar.
- Melamin/Schichtstoff (harte Kunststoffoberfläche): Lackieren geht, braucht aber Haftgrund und saubere Entfettung. Ohne das blättert es ab.
- Folie (PVC-Folie auf MDF): Wenn die Folie irgendwo los ist, nicht lackieren. Die löst sich weiter. Besser Folie komplett abziehen und neu aufbauen oder ersetzen.
- Echtholz/Furnier: Lackierbar, aber arbeiten Sie sorgfältig gegen Durchschlagen von Inhaltsstoffen (Gerbstoffe). Sperrgrund kann nötig sein.
Schnelltest: Lackieren oder lieber tauschen?
- Drücken Sie auf die Kante: fühlt sie sich weich oder „aufgequollen“ an? Dann ist die Platte oft beschädigt.
- Check Scharniere: Schrauben greifen nicht mehr? Dann müssen Sie vorab ausdübeln oder mit Reparaturhülsen arbeiten.
- Folie hebt sich an Ecken? Finger darunter möglich? Dann nicht drüber lackieren.
Arbeitsplatz aufbauen: Staubarm, trocken, ohne Lacknester
Sie brauchen keine Lackierkabine, aber Sie brauchen Kontrolle über Staub, Temperatur und Ablage. Ideal sind 18 bis 23 Grad, geringe Luftfeuchte, keine direkte Sonne.
Praktischer Aufbau in Wohnung, Keller oder Garage
- Demontage-Zone: Fronten abnehmen, Scharniere und Griffe in Beuteln beschriften (z.B. „oben links“).
- Schleif-Zone: getrennt vom Lackbereich. Schleifstaub ist der häufigste Grund für rauen Lack.
- Lack-Zone: Malervlies, Folie an Wänden, Zugluft vermeiden.
- Trocknungs-Zone: Fronten auf Böcke oder Malerpyramiden, so dass keine Kanten aufliegen.
Staub- und Dreckfallen, die Sie vermeiden sollten
- Heizlüfter direkt auf die Teile: zu schnelle Hautbildung, darunter weich.
- Keller mit hoher Feuchte: Mattstellen, schlechte Durchhärtung.
- Wohnzimmer als Schleifraum: Staub verteilt sich überall, auch in frisch lackierte Flächen.
Vorbereitung: Entfetten, schleifen, ausbessern, grundieren
Wenn Fronten später „nicht halten“, liegt es fast immer an Fett, Silikonresten, falscher Grundierung oder zu glattem Anschliff.
Schritt 1: Gründlich entfetten (nicht nur abwischen)
- Reiniger: Anlauger oder Silikonentferner. Küchenfronten haben oft Fettfilm, besonders um Griffe.
- Mit zwei Tüchern arbeiten: eins zum Reinigen, eins zum Trockenreiben.
- Ritzen, Profilkanten, Griffbereiche extra behandeln.
Schritt 2: Richtig schleifen (Körnung, Druck, Ziel)
- Ziel: Oberfläche mattieren, nicht „runterschleifen“.
- Für lackierte MDF oder Holz: meist P180 bis P240 für den Zwischenschliff.
- Für Melamin/Schichtstoff: P180 bis P220, gleichmäßig matt, keine glänzenden Inseln.
- Kanten nur leicht, sonst schleifen Sie die Deckschicht durch.
Schritt 3: Kanten und Schäden reparieren (damit es nachher nicht durchzeichnet)
- Abgeplatzte Ecken: 2K-Feinspachtel oder harter Holzspachtel, dünn aufziehen.
- MDF-Kanten, die „saugen“: nach Spachtel und Schliff mit Grundierung sauber sättigen.
- Dellen: lieber zwei dünne Spachtelgänge als eine dicke Wurst.
Schritt 4: Grundierung auswählen (Haftung und Sperrwirkung)
- Haftgrund: für glatte, nicht saugende Untergründe (Melamin, alte Lacke).
- Isolier- oder Sperrgrund: wenn Holzstoffe durchschlagen könnten (Eiche, Kiefer, Nikotin, alte Beizen).
- Füllgrund: wenn Sie Schleifriefen und Poren glätten wollen, besonders bei MDF-Kanten.
Praxis-Tipp: Wenn Sie unsicher sind, machen Sie ein Teststück an der Rückseite. Nach 48 Stunden Fingernagelprobe: Lässt sich der Aufbau abkratzen, stimmt Haftung oder Trocknung nicht.
Lackaufbau: Rollen oder Sprühen, damit es glatt und robust wird
Für Schrankfronten brauchen Sie eine Oberfläche, die Griffkontakt, Reiniger und leichte Stöße aushält. Dafür sind robuste Lacke sinnvoll. Wasserbasierte Lacke sind wohnungstauglicher, 2K-Systeme sind extrem widerstandsfähig, aber anspruchsvoller (Mischung, Topfzeit, Arbeitsschutz).
Option A: Lackieren mit Rolle (für die meisten Wohnungen am einfachsten)
Mit der richtigen Rolle bekommen Sie erstaunlich glatte Flächen ohne Sprühnebel.
- Rolle: Schaumstoff fein oder Mikrofaser kurzflorig (für Lacke geeignet).
- Technik: erst in eine Richtung dünn verteilen, dann leicht „abrollen“ ohne Druck.
- Schichten: lieber 2 bis 3 dünne Schichten als 1 dicke.
Option B: Sprühen (HVLP) für sehr glattes Finish
- Vorteil: weniger Struktur, schneller auf großen Flächen.
- Wichtig: gute Abdeckung, Atemschutz, und saubere Viskosität (Herstellerangaben).
- Risiko: Läufer und Staubeinschlüsse, wenn der Raum nicht passt.
So vermeiden Sie die typischen Fehler
- Orangenhaut: Lack zu dick oder zu trockene Umgebung. Dünner arbeiten, ggf. minimal verdünnen nach Datenblatt.
- Läufer: zu viel Material an Kanten oder in einem Zug. Erst Kanten dünn, dann Fläche.
- Staubkörner: zwischen den Schichten leicht mit P240 bis P320 schleifen und gründlich entstauben.
- Blasen/Fischaugen: meist Silikon oder Fett. Dann zurück, gründlich entfetten, Haftgrund.
Trocknung und Durchhärtung: Der Unterschied zwischen „trocken“ und „belastbar“
Fronten sind oft nach ein paar Stunden staubtrocken. Das heißt aber nicht, dass sie schon stoß- und reinigerfest sind. Viele Lacke brauchen 7 bis 14 Tage bis zur Endhärte. In dieser Zeit passieren die meisten Macken durch zu frühe Montage.
Realistische Zeiten (als Orientierung, Datenblatt geht vor)
- Staubtrocken: 1 bis 3 Stunden
- Überstreichbar: 6 bis 12 Stunden
- Montierbar vorsichtig: 24 bis 48 Stunden
- Voll belastbar: 7 bis 14 Tage
So lagern Sie Fronten während der Trockenzeit
- Fronten nicht flach aufeinander stapeln.
- Zwischenlagen nur mit weichem, sauberem Material (Baumwolltuch, Schaum) und ohne Druck.
- Kontaktstellen vermeiden: Malerpyramiden oder Schrauben in alte Griffbohrungen als Abstandshalter.
Montage und Nacharbeit: Spaltmaße, Griffe, Schutz im Alltag
Wenn Sie frisch lackierte Fronten montieren, arbeiten Sie langsam und mit Schutz.
Montage ohne Macken
- Baumwollhandschuhe: weniger Fingerabdrücke und Mikrokratzer.
- Schraubendreher statt Akkuschrauber bei der letzten Umdrehung: weniger Abrutschen.
- Scharniere erst locker ansetzen, dann ausrichten, dann festziehen.
Spaltmaß-Feinschliff (damit es professionell wirkt)
- Starten Sie mit den oberen Türen: dort fällt Schiefstand sofort auf.
- Abstände mit einer Pappschablone kontrollieren (z.B. 2 mm).
- Griffe: wenn neue Lochabstände nötig sind, alte Löcher sauber füllen (Holzdübel + Leim) und erst nach Durchhärtung neu bohren.
Reinigung in den ersten 2 Wochen
- Nur mildes Spülwasser und weiches Tuch.
- Keine scheuernden Schwämme, keine aggressiven Entfetter.
- Wasser nicht an Kanten stehen lassen.

Budget und Einkaufsliste für deutsche Baumärkte (realistisch kalkuliert)
Für eine Küche mit ca. 10 bis 16 Fronten (klein bis mittel) landen Sie meistens in diesem Rahmen:
- Reiniger/Anlauger und Silikonentferner: 10 bis 25 EUR
- Schleifpapier P180, P240, P320 (oder Schleifgitter): 10 bis 25 EUR
- Spachtelmasse (2K) + Spachtel: 15 bis 35 EUR
- Grundierung (Haftgrund oder Sperrgrund): 20 bis 45 EUR
- Lack (PU/Acryl, je nach Qualität): 30 bis 120 EUR
- Rollen, Pinsel für Kanten, Abklebeband, Abdeckfolie: 15 bis 40 EUR
Wenn Sie sprühen: HVLP-Pistole und Kompressor sind extra, lohnen sich eher bei mehreren Projekten oder wenn Sie glatte, große Flächen priorisieren.
Podsumowanie
- Fronttyp prüfen: Folie mit Ablösungen nicht überlackieren.
- Entfetten ist Pflicht, besonders rund um Griffe.
- Gleichmäßig matt schleifen, Kanten nur leicht bearbeiten.
- Passende Grundierung wählen: Haftgrund für glatte Flächen, Sperrgrund bei Durchschlag-Risiko.
- 2 bis 3 dünne Lackschichten, dazwischen leicht schleifen und entstauben.
- Montage erst nach 24 bis 48 Stunden, Endhärte nach 7 bis 14 Tagen abwarten.
FAQ
Kann ich Küchenfronten ohne Schleifen lackieren?
In der Praxis nein, wenn es haltbar sein soll. Mindestens ein gleichmäßiges Mattieren (P180 bis P240) ist nötig, damit Grundierung und Lack mechanisch greifen.
Was ist besser für Fronten: Wasserlack oder 2K-Lack?
Wasserlack ist einfacher und wohnungstauglich, reicht für normale Nutzung. 2K-Lack ist deutlich robuster (Kratz- und Chemikalienfestigkeit), verlangt aber exakte Mischung, Topfzeit und guten Arbeitsschutz.
Warum klebt die Oberfläche nach Tagen noch leicht?
Typische Ursachen: zu dicke Schichten, zu niedrige Temperatur, hohe Feuchte oder falsche Kombination aus Grundierung und Lack. Prüfen Sie das Datenblatt und lassen Sie länger durchhärten. Im Zweifel einmal dünn anschleifen und korrekt neu aufbauen.
Wie bekomme ich besonders glatte Kanten an MDF-Fronten?
MDF-Kanten saugen stark. Arbeiten Sie mit Füllgrund, schleifen Sie die Kante nach dem ersten Grundiergang (P240 bis P320) und grundieren Sie ggf. ein zweites Mal, bevor der Decklack kommt.
