Schallschutz an der Wohnungstür verbessern: Dichtung, Absenkdichtung und Türvorhang richtig kombinieren
Warum die Wohnungstür der größte Lärm-Leak ist
In vielen deutschen Mehrfamilienhäusern kommt der meiste Störlärm nicht durch Wände, sondern durch die Wohnungstür: Gespräche im Treppenhaus, Haustürknallen, Schritte, Aufzug, Mülltonnen. Ursache sind fast immer kleine Undichtigkeiten: Spalt unter der Tür, ungleichmäßiger Anpressdruck am Rahmen, ein klapperndes Schloss oder eine Tür, die nicht sauber in die Dichtung zieht.
Gute Nachricht: Sie müssen dafür weder die Tür tauschen noch baulich eingreifen. Mit den richtigen Dichtprofilen, einer Absenkdichtung (oder einer sauberen Bodendichtung-Lösung) und einem schweren Vorhang bekommen Sie eine deutlich hörbare Verbesserung, oft schon für 40 bis 150 EUR.
Wichtig ist die Reihenfolge: Erst Lecks schließen, dann Masse und Entkopplung ergänzen. Ein Vorhang alleine hilft wenig, wenn unten 8 mm Luft sind.
| Maßnahme | Wirkt besonders gegen | Typischer Aufwand |
| Rahmendichtung (seitlich/oben) | Stimmen, „Zischeln“, Flurgeräusche | 30-60 min, 10-25 EUR |
| Absenkdichtung / Bodendichtung | Schritte, tiefe Frequenzen, Zugluft | 60-120 min, 25-120 EUR |
| Schwerer Türvorhang | Restschall, Hall im Flur | 45-90 min, 30-150 EUR |

Schritt 1: Lecks finden in 10 Minuten (ohne Spezialgeräte)
Bevor Sie Material kaufen, lokalisieren Sie die Schwachstellen. Das spart Fehlkäufe und zeigt, ob eher der Boden- oder der Rahmenbereich das Problem ist.
Der Papier-Test (Anpressdruck prüfen)
- Ein Blatt Papier zwischen Tür und Zarge legen (seitlich/oben).
- Tür schließen, Papier herausziehen.
- Bewertung: Lässt es sich leicht herausziehen, ist der Anpressdruck zu gering oder die Dichtung fehlt/ist platt.
Der Licht-Test (Spalte sehen)
- Abends Flurlicht an, Wohnungslicht aus (oder umgekehrt).
- Rund um die Tür schauen: Lichtstreifen zeigen Spalte.
Der Hand-Test (Zugluft und Leckrichtung)
- Hand langsam entlang der Kanten führen (besonders unten und am Schlossbereich).
- Spürbare Luftbewegung ist fast immer auch ein Schallleck.
Notieren Sie: Spaltmaß unten (z.B. 3 mm, 8 mm), ob die Tür an einer Seite „hängt“, und ob sie beim Schließen sauber anzieht oder klappert.
Schritt 2: Rahmendichtung richtig auswählen und montieren
Seitliche und obere Dichtungen bringen oft den größten Effekt pro Euro. Achten Sie auf das richtige Profil und eine saubere Montage. Billige Schaumstoffstreifen dichten kurzfristig, verlieren aber schnell Rückstellkraft und reißen beim Öffnen.
Welche Dichtung ist in deutschen Wohnungen meist sinnvoll?
- EPDM-Gummidichtung (selbstklebend): langlebig, gute Rückstellkraft, geeignet für häufiges Öffnen.
- Silikonlippe: gut bei kleinen, ungleichmäßigen Spalten, kann aber bei Reibung schneller verschleißen.
- Hohlkammerprofile (D/P-Profile): ideal, wenn Sie 3 bis 7 mm Spalt überbrücken müssen.
Faustregel: Lieber ein Profil wählen, das bei geschlossener Tür leicht komprimiert (nicht komplett plattgedrückt). Zu dicke Dichtung führt zu hoher Schließkraft, schlechter Verriegelung und kann das Schloss belasten.
Montage in 6 Schritten (hält wirklich)
- 1. Reinigen: Zarge mit Isopropanol oder Spiritus entfetten, trocknen lassen.
- 2. Position festlegen: Dichtung gehört auf die Anschlagfläche, dort wo die Tür anliegt, nicht „irgendwo in den Falz“.
- 3. Längen zuschneiden: Gehrung ist nicht nötig, aber saubere Stoßkanten schon.
- 4. Kleben ohne Zug: Schutzfolie abschnittsweise abziehen, Dichtung spannungsfrei andrücken.
- 5. Ecken sichern: In stark beanspruchten Ecken optional mit einem Tropfen Montagekleber fixieren.
- 6. Schließtest: Tür mehrmals schließen. Wenn sie zurückfedert, ist das Profil zu dick oder sitzt falsch.
Praxis-Tipp: Im Schlossbereich ist das Leck oft am größten. Dort besonders sauber arbeiten und ggf. ein etwas weicheres Profil wählen, damit die Tür weiterhin gut einrastet.
Schritt 3: Den Spalt unter der Tür schließen, ohne Stolperkante
Der Spalt unten ist akustisch kritisch, weil er wie ein Kanal wirkt. In vielen Wohnungen liegen 5 bis 12 mm an, besonders bei Altbau, unebenem Boden oder nachträglich verlegtem Vinyl/Laminat.
Option A: Absenkdichtung (beste Lösung bei glattem Boden)
Eine Absenkdichtung senkt beim Schließen automatisch eine Dichtlippe ab. Vorteil: sehr gute Wirkung, keine schleifende Bürste, keine Stolperkante. Nachteil: etwas mehr Montageaufwand und Kosten.
- Gut für: Parkett, Laminat, Vinyl, Fliesen.
- Weniger gut für: sehr unebene Dielen oder dicke Teppiche direkt an der Tür.
- Kosten: ca. 40 bis 120 EUR je nach Qualität und Länge.
Option B: Aufschraub-Bodendichtung (wenn Sie nicht fräsen dürfen/wollen)
Es gibt Absenkdichtungen zum Aufschrauben auf das Türblatt innen. Das ist mieterfreundlicher als Fräsen. Achten Sie auf ausreichende Türfreiheit zum Boden.
- Montagehinweis: Tür schließen, Dichtung anhalten, so einstellen, dass die Lippe gerade Kontakt hat, nicht dauerhaft stark presst.
- Risiko: Bei zu wenig Luft schleift die Lippe, das nervt im Alltag und nutzt sich ab.
Option C: Türbesen/Bürstendichtung (schnell, okay, aber nicht top)
Bürstendichtungen sind schnell montiert und verzeihen unebene Böden. Schalldämmung ist jedoch begrenzt, weil die Bürsten Luft durchlassen. Für reine Zugluft gut, für Lärm nur als Basis.
- Gut für: unebene Böden, schnelle Lösung, wenig Budget.
- Kosten: 10 bis 30 EUR.
Option D: Mobile Zugluftstopper (nur als Ergänzung)
Diese „Wurst“ unter der Tür hilft gegen Zug, bringt aber nur etwas gegen Schall, wenn sie wirklich dicht anliegt. Im Alltag wird sie oft vergessen oder liegt schief. Eher für Schlafzimmer nachts als für die Haustür im täglichen Betrieb.
Schritt 4: Vorhang vor der Wohnungstür, aber richtig
Ein schwerer Vorhang kann Restschall deutlich dämpfen und den Hall im Flurbereich der Wohnung reduzieren. Er ersetzt keine Dichtung, aber ergänzt sie sehr gut. Entscheidend sind Gewicht, Abstand zur Tür und die Befestigung.
In der Praxis funktionieren Molton, schwere Baumwolle, dicht gewebtes Leinen oder mehrlagige Thermovorhänge. Achten Sie auf ein Flächengewicht von grob 300 bis 500 g/qm oder mehr, wenn es noch besser werden soll.
So hängt der Vorhang so, dass er wirklich dämpft
- Schiene statt Stange: Eine Deckenschiene (oder Wand-Schiene) dichtet seitlich besser ab als eine Stange.
- Überstand: Links und rechts mindestens 15 bis 25 cm über die Türbreite hinaus.
- Faltenwurf: 1,8- bis 2,2-fache Stoffbreite (sonst hängt er zu glatt und dämpft weniger).
- Abstand: 3 bis 8 cm Abstand zur Türfläche lassen, damit ein „Luftpolster“ entsteht.
- Unten: 1 bis 2 cm über dem Boden enden oder leicht aufliegen, je nach Staubsauger-Robotern und Schmutz.
Wenn Bohren in Mietwohnungen problematisch ist: Nutzen Sie vorhandene Bohrlöcher (oft über der Tür bereits vorhanden) oder montieren Sie eine Schiene in die Decke mit geeigneten Dübeln. Klemmstangen funktionieren meist nicht, weil die Türzone beim Bewegen starke Vibrationen erzeugt.
Schritt 5: Häufige Nebenquellen: Schloss, Schließblech, Spion, Briefkasten
Viele Türen sind „fast dicht“ und trotzdem laut, weil Metall auf Metall klappert oder kleine Bauteile schallhart koppeln.
Schlossfalle und Schließblech entklappern
- Schließblech nachstellen: Wenn die Tür Spiel hat, sitzt sie nicht stramm. Oft helfen 1 bis 2 mm Nachjustage.
- Dünne Filzpunkte: An geeigneten Anschlagpunkten können Filzpunkte Klappern reduzieren (nicht in den Dichtbereich kleben).
- Schließzylinder prüfen: Lockerer Zylinder überträgt Vibrationen. Schraube am Stulp nachziehen (vorsichtig, nicht überdrehen).
Türspion abdichten
Ein einfacher Spion kann wie ein Mini-Schallkanal wirken. Prüfen Sie, ob der Spionring locker ist. Ein dünner Dicht- oder Filzring kann helfen, ohne die Optik zu ruinieren.
Briefkastenschlitz (falls in der Tür)
Wenn der Briefkasten in der Wohnungstür sitzt, ist das akustisch ungünstig. Eine innenliegende Klappe mit Dichtung oder eine Bürstendichtung am Schlitz reduziert Luft- und Schallwechsel. Achten Sie darauf, dass Post weiterhin durchpasst.
Messbar besser: So prüfen Sie den Effekt nach dem Nachrüsten
Sie brauchen kein Profi-Schallmessgerät. Wichtig ist der Vorher-Nachher-Vergleich unter gleichen Bedingungen.
- Gleiche Situation: Testen Sie bei ähnlichem Treppenhauslärm oder bitten Sie eine Person, draußen zu sprechen.
- Smartphone als Referenz: Nutzen Sie eine einfache dB-App, aber nur als Vergleichswert (nicht als absolute Messung).
- Check der Lecks: Wiederholen Sie Papier-, Licht- und Hand-Test.
Wenn die Tür schwer schließt oder nicht einrastet: Dichtung ist zu dick oder falsch platziert. Dann lieber korrigieren, bevor sich Schloss oder Bänder verziehen.
Typische Kosten und realistische Erwartungen (deutsche Praxis)
Für eine normale Wohnungstür (ca. 86 bis 98 cm breit) kommen Sie meist mit folgendem Rahmen hin:
- Rahmendichtung: 10 bis 25 EUR
- Bodendichtung: 10 bis 30 EUR (Bürste) oder 40 bis 120 EUR (Absenkdichtung)
- Schwerer Vorhang + Schiene: 50 bis 200 EUR je nach Stoff und Länge
Erwartung: Sie werden den Flurlärm deutlich leiser bekommen, aber eine leichte Wohnungstür wird keine schwere Schallschutztür ersetzen. Ziel ist „nicht mehr störend“ statt „studio-leise“.

Podsumowanie
- Erst Lecks finden: Papier-, Licht- und Hand-Test.
- Rahmen oben/seitlich mit EPDM- oder Hohlkammerprofilen abdichten, spannungsfrei kleben.
- Spalt unten bevorzugt mit Absenkdichtung lösen, Bürste nur als Budget-Variante.
- Schwerer Vorhang wirkt erst richtig mit Schiene, Überstand und Faltenwurf.
- Schloss und Schließblech auf Spiel prüfen, Klappern entkoppeln.
- Nachrüsten immer mit Schließtest: Tür muss sauber einrasten, ohne Gewalt.
FAQ
Welche Maßnahme bringt am meisten gegen Stimmen aus dem Treppenhaus?
Fast immer die Rahmendichtung plus das Schließen von Lecks am Schlossbereich. Stimmen sind vor allem ein Luftleck-Thema.
Lohnt sich eine Bürstendichtung unten überhaupt für Schallschutz?
Sie hilft etwas, aber deutlich weniger als eine Absenkdichtung, weil Luft durch die Borsten strömt. Als schnelle Lösung okay, als „Endausbau“ nur bei unebenem Boden sinnvoll.
Kann ich eine Absenkdichtung als Mieter montieren?
Ja, wenn Sie eine Aufschraub-Variante nutzen und keine irreversiblen Änderungen machen. Bei Fräsungen oder sicherheitsrelevanten Türen vorher Vermieter klären.
Warum wird die Tür nach dem Abdichten schwer zu schließen?
Meist ist das Dichtprofil zu dick oder sitzt an der falschen Stelle. Korrigieren Sie Position oder wechseln Sie auf ein flacheres Profil, statt mit Kraft zu schließen.
